LIBRARY

Michigan State University

SPRINGPORT, MICHIGAN ze = S u)

m Tee

Citerarifches Zentralblatt

für

Za

Deutſchland.

Begründet von Friedrich Zarncke.

Herausgegeben

von

Edunuard Zarncke.

56. Jahrgang.

Leipzig, Eduard Avenarins. 1905.

Literariſ, ches

Zentralblatt

ür Reuifhland,

Bac von Sriedrid Barnke. Herausgeber Prof. Dr. Ed. Rarnke in Leipzig, Raifer Wilhelmftraße 29.

bk.

Icheint jeden Sonnabend.

Inhalt.

heoſfogie. Reſigionswiſſenſchaft (1)3: Weiß, Die z barung bes Johannes Arhiv für Reitgtonem: fenigaft. VII. AE d S È diſoſophie (8): ooet "Die gebeneanffaffuns der griech. Philoſophen. Niesiwe, Rahgrlaiiene Werte.

file (10): Bertel. Tie —— Weir, The Shaikhs of Morocco.

ehr. Yandl. Berhältn. im Herzogt. Den: m i Chroni? der Stadt Weißen urg i. B. Aus den Papieren der Familie on Schleini ándere und Völkerkunde (13): Unfer Baterland Japan. Ufrup, Unter den Nad barn des Nordpols. sinrwifendaften. Mathematiß asi SE u. v. arbeiten ju einer pflanzengeograph. Karte Deflerreich®. I. Marchis,

Hay an hS . iynamique. Wernide, vLehrbuch der Meqanik. 1. D 2. u. 3. Abt. Wi Ki

Aſphab etiſches Zuhaftsverzeichnis. v RE Zoé. A6 need zb Adelige U. o. 1./4. Heft. (3) ap. Œ., Unter a Nachbarn d. Yanpi; Ueberſ.

Ha ratur bie Eufebius 2

Mit der halbmonatlichen Beilage ‚Die Schöne Literatur‘‘.

Verlegt von Eduard Avenarins in Ketpzig, Kindenfirafe 18.

> 1, Januar 1905.

Braunſ w. Wolfenbüttel im 16. Op.

arnat, A., 3 el altchriſtlichen Litte» Piquet, ‚Lieder. Gef. u. Hrsg.

DO. Jahren,

Preis einſchl. Beilage jährl. 4 30.

Medi in (In): Combe, Die Nervofität des Kindes.

Nedis- und Staaiswil (19): Elgbader, Die Handlungsfähigteit nat deutfhem bürgerl. Recht. I. BD. EE Dem rlungen vum Ent Ge eines Heiehe, betr. das Urheberredt. Sombart, den

an De Neal) Lehmann-Ridter, Prüfungen in elettr Zentralen. zn ée d CN (22): Seriptores sethiopicl. Textus, ed. C. ossini. Versio. aufia-E prichwörter und Hauffa- Lieder. Harn di Tie Chror blogit der altchriftlichen Litteratur big Cufebdiue. 2. Bd. Fumagalli, Chi l'ha detto? Piquet, Notes sur la légende de Dietrich et la mort d'Alphart. Stabt, fab Goethe aus.

Aunfwifenfdaft (29): Sp andbuh der Kunft Dud Ia, IL Bimmer. sionn, Gizilien. L Die Mu a d eppes? tten. Dentmäler der Tontunft in Defterreih. XL a

Pädagogik (32): Kotelmann BE,

Ber SL, 13:): Gon weng, Tie Gefährtung der Raturdentmäler.

Nutes sur la légende de Dietrich et la Alpan 7 Aus den Papieren der Familie von Schleinig. Mit e.

R. Prieze Borbeme:?. von %. v. Zobeltig. (12) N. Fangieldt. (15.) Unfer Booch SE Grtn (13.) aothiopici. Tertus. Series altera. Tom. XXII. Ve Die Barusſchlacht. 110. Kotelmann. , Chulgeu ——— (32 Rossini. Versio. (22.

, Die Nervofitär des Kindes. (18.) ehmann rüfungen in elettrifcen Sombart, W.. Gewwerbereien. 3 Zeie, 21)

P. Z fe Gefährdung d. Naturdentmäler. (33.) ———— a (.1.) Springer, = Handb. d.Runftgefchichte. III. 7. Aufl., nåler der in Oeſterreich. 1. u. 2. Tl. archis Thermodyramique. L 16) Gët. umgeark. v. A. Philippi. a rd. on OW. Adler, O. Keller u. ©. funy. (31) Meyer, Ae" Ehro it d. Stadt Deifenburg 1. 2. (11.) Sieht, Wie fa: Wwoethe aua. (28.) wein, R., n. A. v. Dayer, SE e einer su Dinfeen ale Voltebilt ungsftarten. Ou.) The Shaikhs of Morocoo in the 16. cen-

mengeogradß, Karte Defterreia:®. 1. (15 BE ba. ater., $., Die nad deutid. Deh r

yerl. Redt. 1. chi l'ha detto? 4.

agalli, G. Edis. ver Ò , Tie zebensonffaffung —— Sue

Nachaelafiene Werte. (Werte JI, 10.) (9. £ändliche Berbältn. im Segen Braun. en? Wolfenbüttel im In. Jahrh 1.)

eth, A., Bemerkungen zum eines Ge⸗ A bett. das Urheberreast 3c. (20.)

WC T. CA 10

J weit. Die GER des Sana Wernide, Lehrbuch ber d ebonit 1. Zi. 3. Ma (16.) Zimmermann, DI. %., Sizilien. I (30.)

Aierctg die Beilage Die (Ane Literatur‘ fe, 1.

Theologie. Religionswiſſenſchaft.

ës Johs., Die Offenbarung desn Johannes. Ein Beitr ' Literatur- und Religionegeschichte. Göttingen, 1908. ndenhoeck & Ruprecht. (164 S. Gr. 8.) æ 4, 80

chungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen staments, hrsg. v. Wilh. Boussetu Herm. Gunkel. 3. Heft.

jie vorliegende Ilnterfuchung des befannten Gelehrten, ver modernen Theologie auf dem Gebiete der Reih- 3-Forjchung fo fruchtbare Anregungen gegeben hat, Ht, Durch einen Beitrag zur Löfung des literarifchen [8 Der Apofalypje das Antereffe an ber literarischen dDiefes geheimnisvollen Buches wach zu halten. Eie

tt folgende Anidhauung von der Entftehung des Buches: >r 2. Hälfte der fechziger Jahre hat der Fleinafiatifche ıne3 (nad einer Andeutung des Verf. S. 155 Anm. resbyter Johannes) eine Apofalypje verfaßt, die „ohne bejtimmte Beitverhältniffe veranlaßt zu fein, die alten gungen des Herrn nur wiederholte”. Bu ihr gehörten folgende Stüde: 1, 4-6, 9-19. 2—5. 6. 7. 9. 12, . 13, 11—18. 14, 1—5. 20, 1—10, 11—15. 21, 22, 3—5. 22, 8 fg. (mit Auswahl); diefe ergeben

Zat ein wohlabgerundetes Ganze, in dem alle wid-

Buntfte der urdriftlihen Zutunftshoffnung enthalten "Zeen Bahre 70 Hat dann ein Jude unter dem Eindrud lagerung Jeruſalems durch die Römer alte apofalyp- ine: und Bifionen gejfammelt, die ihm auf die gegen- SPrijis Bezug zu haben und ihrer Erfüllung entgegen

ı Tchienen. Wir finden dieje jüdiiche Upofalypfe in den O. 11, 1-13. 12, 1-6, 14—17. 13, 1—7. ». 21, 4—27. ift das Budh, das nad 10, 2, c Herausgeber verfhlungen Dot und aus dem er 1

wiederum prophezeit”. Diefer Herausgeber endlich hat zur Bett de3 Domitian, in dem für ihn die Weisfagung „des 8. Raiferd, der doch einer von den Sieben ift,” erfüllt war, damals ald die chriftlihe Gemeinde in die hödhfte Bedrängnis und Erregung geriet, die alte Johannes-Üpofalypfe und bie obengenannte jüdische Apofalypje, Durch eigene Zugaben, Tert: verbindungen und Erklärungen verbunden und erweitert, herausgegeben, die Apofalypie des N. Zeit. Die beherr- Ihende Ubficht des Herausgeberd war eine durchaus felbftlofe, praktische: e3 galt die alte Sohanned-Upofalypfe ber og, welt zu erhalten und hamit zugleich ihre teilmeife, rein. bald zu erwartende vollfiändige Erfüllung zu zeigen, um dadurd) die Chriften aufs nahe Ende vorzubereiten und ihnen in diefer Ueberzeugung Kraft und Ausdauer zu geben. Da3 find in Kürze die wichtigften Ergebnifje der gründlichen, fharf: finnigen, gut fundierten Unterjuhung. Der Berf. ift fid ber Echwierigfeiten und des bypothetifchen Charafterd derjelben fowopl im Einzelnen wie im Ganzen wohl bewußt, bejonders der Annahme, dap die Zohannes-Apolalypje noch bei Leb- zeiten deg Berf. von einem andern herausgegeben worden ift. Uber wer wird bei der vorliegenden Frage ohne zum Teil recht fühne HYypotheien ausfommen ? Jedenfalls gibt Weiß einen Lölungsverfuch, der feiner Haren, geichlofjenen Anfhauung wegen allgemeines Snterefje verlangen Tonn und eingehendes Studium verdient, ehe man Über ihn aburteilt. Er jtellt daher billigerweiie die Forderung: „Widerlegt werden ı fann eine folhe durd Nahempfindung entftandene Reton- jtruftion nit durch einzelne Einwendungen, fondern nur durch eine geichloffene Seiamtanjhauung, die durch größere Hingabe und befieren Geichmad der meinigen überlegen ift.” Uber auch der, der von Schritt zu Schritt bei der Lektüre Sragezeichen an den Rand machen muß, wird das Buch mit 2

3 1905. 1. Literarifdes Bentralblatt 1. Sanua. 4

berzlicher Dankbarkeit für die reihen Anregungen durchlefen. , Haufen vertreten: „Zwei NRecdtsriten bei den Hebräern“

Solche gibt auch der einen Rüdblid wie Ausblid enthaltene | (Rönigsfalbung und Miantelüberwerfen), den wir Hoffentlid Schlufabichnitt, der eine geichloffene Anfhauung über die | als Abjchlagszahlung betrachten fünnen. Doh gehört auh ` ganze johanneifche Frage und Literatur zur Erwägung Stellt, | Nöldete’3 Heine Zufammenftelung „7 Brunnen“ hierher, intereffant vor allem deshalb, weil die Möglichkeit feitgehalten | die für den im Titel genannten Namen Unalogien aus wird, daß das Evangelium (ebenfalls eine Redaktionsarbeit | diverfen Punkten der femitiihen Welt beibringt. Altiran und zwar des Verf. des Echlußkapitels), die Briefe und die | ift mit einem engliihen Aufiag Louis Gray’3 bedadt ` Apokalypfe aus demjelben Gemeindekreife ftammen. Cine ! »The double nature of the Iranian archangels«, der für Erklärung der ganzen Upofalypje gibt übrigens Johs. Weiß | die genannten Erzengel außer der fpäteren, rein fpiritualen im laufenden Jahrgang der Chriftlihen Welt. G. N. Natur auch eine frühere, materielle nadmweif. Am reid- —— —— —— éf] ften ift, wie zu erwarten war, Athelas vertreten. L. Jar—

Archiv für Religionswissenschaft. Unter Mitredaktion von nelt gilt in feinen E hy potheses Sons H. Usener, H. Oldenberg, C. Bezold, K. Th. Preusz. hgb. v. | the position of women in ancient religione eine dankens⸗ Albr. Dieterich u. Thomas Achelis. VII. Bd. 1./4. Heft. | werte Zuſammenſtellung der Behandlung der Geſchlechter im Leipzig, 1904. Teubner. (IV, 544 8. Gr. 8. mit 38 Fig. u. | Kult ber Mittelmeerländer (bei. Griechenland), au der mit 1 Taf.) #4 16. nicyten auf Matriarhat und Synaikofratie geid;lofien werden

Die Anlage und Bujammenjegung des vorliegenden | dürfe. Karo unterrichtet uns vol und anjtaulih (Su

Bandes (des eren nad) der Reform der Beitfchrift) bezeugt | ftrationen find beigegeben) über „altkretiihe Kultſtätten“:

in erfreulichder Weife die Energie und Umficht der Leitung, | diktäiiche Grotte, fnoifiihe Kapelle vim. Es find Dodnter,

fowie da3 intenfive ntereffe und die Leiftungsfraft der | effante Refultate: jymbolifcher Gottesdienit, ohne Prieiter und

Mitarbeiter; möge auch das dritte, zum Gedeihen einer | Tempel, wenig verändert innerhalb einer taufendjährigen

Beitichrift notwendige nicht außsbleiben, die rege Teilnahme a freilich ift die Deutung der Denkmäler oft

des lejenden Publitumg. Die Ausgabe ift diesmal in zei tiſch. Zu einem ſcharfen Zweikampf zwiſchen

Teilen erfolgt, jede an Umfang gwei Heften entiprechend, | Ro,“ ce und Stengel bot das Problem der Poüs Ep-

doch fol in der Zukunft die traditionelle Vierteilung beibe- | dowog Veranlafjung; eine Einigung wird faum möglid) fein,

halten werden. Nun, vieleicht würden auh andere auber denm | da die Methode der Gegner vericieden ijt. „Etymologifce

Ref. mit dem diesjährigen Syftem gang zufrieden fein; doh | Beiträge” hat Ofthoff beigefteuert, zunädit zur Deutung

nun zum Inhalt! Eröffnet wird der Band durch ein pro: | de3 Mameng Priapos (»pri-hapos«, vorn den Phallos tra

grammartiged Vorwort des erften Herausgebers, das die | gend), problematiih, wie das nicht anders möglich ift.

Biele und Wege der neugeftalteten Zeitichrift angibt; fie | Mehr philologifher Art ift das „Dankfopfer an Asklepios“

laffen fih durd die drei Stihwörter: „Philologie, Ethno- | von Wünfch, religionsgefchichtliche Notizen zu Herodas IV,

logie, Theologie” kurz und präzis kennzeichnen. Jedes Heft | in der Reihenfolge, wie fie die Interpretation an die Hand

zerfällt in drei Abteilungen; die erite bringt wiffenichaftliche | gibt. Hierher gehört auh Reigenfteind „Zum Asclepius

„Abhandlungen“, die zweite „Berichte” über den Fortichritt | des Pfeudo-Apulejus“: der Nachweis, daß das Schlußgebet die

der einzelnen Bmeige der Religionswiffenfchaft, die dritte | Ueberfegung des im Papyrus Mimant erhaltenen griechijhen

gelegentlihe „Mitteilungen und Hinweife”. Won der erften | Originals bietet. Das Nefultat ift einleuchtend, die fol fogleich; die zweite, die als ein für die Verfafler mühfeliges, | genden u. E. nichts fördernden ägyptologifchen Wuseinander- für die Benuger bequemes und arbeitiparendes Hilfd- und ! fegungen fpinnen eine Idee des Verf. weiter, von der

DOrientierungsmittel befonders danfenswert ift, bietet im vor» | hoffentlih ein andermal. Die römische Religion ift nur

liegenden Band Berichte über Aegypten (Wiedemann), Afiyro- | einmal vertreten, aber gut: durch Wifjfomas „Anfänge

babylonien (Bezold), Indien (Oldenberg), Indonefien (Zuyn- | des römischen Larenfultes”, eine Iehrreihe Auseinander— bol), Afrika (Ankermann) und Amerifa (Preuß); wie man Ä fegung mit Samter und der Geelenkulttheorie. Wieder jieht,- ift die Arbeit in be allereriten Hände gelegt. | reicher ift das frühe Chrijtentum bedacht. „Saframentlicdes

Unter den Mitteilungen der dritten Abteilung wird die | im Neuen Teftament“ behandelt Holtzmann, Har und an

Duhn’iche über den kretifchen Earfophag aus Hagia Triada ! regend, fade daß in den Urteilen von dem „gefunden

nit dem größten Dank aufgenommen werden, wegen der ! Trieb” der fatramentlofen jüdischen Religion und der „In

Wichtigkeit des Tenkmals für unfere Kenntnis der möyfe- | feftion* durch das Saframent weit mehr eine gewifle ton-

nilchen Beltattungsbräuche. | feffionelle Boreingenommenheit fpricht al3 das objektive Er»

Aber die Hauptjache ift doch die erfte Abteilung mit ' falfen einer Hiftorifhen Notwendigkeit. Küliher („Die ihren felbjtändigen wiffenfchaftlichen Gaben. Eingeführt wird ! geiftlihen Ehen in der alten Kirche”) opponiert gegen bie

De durch einen fchönen Aufiag Ufeners über „Mythologie“, | Uchelis’she Auffaffung der virgines subintroductae, indem

der dem Begriff der genannten Wifjenichaft vom religiond- | er das Element der Keufchheitsprobe betont. Deißmann

theoretifchen Standpuntt gerecht zu werden fucht; ich muß | gibt Ergänzungen zum „angeblichen Evangelienfragment aus mich notgedrungen fu faffen, auch bedarf der Auffap, | Rairo”, deſſen Sdentifizierung er indefjen aufgibt. End der die Kooperation von Philologie, Ethnologie und Theo: | lich unterfuht Radermader im „St. Pholas“ die Legende logie trefflich fymbolifiert, nicht erft einer Empfehlung. | diefed Heiligen auf ihre antiten Elemente hin, leider ohne

Demjelben Gelehrten gehört die vergleichend religionggefchicht- | greifbares Refultat, da einleuchtende antike Parallelen nit

lihe Abhandlung „Heilige Handlung” an, die in pannender | beizubringen find.

Weile das Wejen des religiöfen Ritus und feine Einwirkung Seitab von der Haffifch-europäifchen Heerftraße führen

auf die Cage erörtert. Den Ieteren Gefichtspunft hält na- | nur drei Auffäte Die Religion der Kefchi-Indianer (in

mentlich da3 dritte Kapitel, „Slions Fal” ein, folen wir | Zentralamerifa) ftelt Sapper dar in einem fehr anregenden wirklich glauben, die Sage vom Krieg um Sion Habe fid | auf Autopfie beruhenden Verfuh. Von der Verfolgung aus einem deiphifchen Sühnritus entwidelt? Mir fcheinen die | de Buddhismus durch Wu Tfung (9. Jahrh.) handelt angeführten Tatfachen auch einer anderen Deutung fähig. | de Groot in einem englifch gefchriebenen Auffag. Mitten

Aegypten, Babylon und Amdien find diesmal Teer ausge- | in die Gegenwart hinein führt ung endlih Beders Pan:

gangen; Wltisrael ift durch einen Auffag von I. Well: | islamismus, und fo ift e3 denn fein Wunder, daß bei

5 1905. M1. Literarifhes Bentralblatt 1. Xanmar. 6

einer Lektüre die Objektivität verjagt. Nicht daß der Berf. | StimmenausMaria-Laacd. Kathol. Blätter. Jahrg. 1904. 10. Heft.

ınd bange machte, im Gegenteil; aber gerade darum lernt nan eine Bervegung ernft nehmen, die durch ein gemein: ıme3 religiöjed8 Zentrum und eine gemeinfame, durch Die teligion geweihte Kulturfprache zufammengehalten wird. uropa hat dereinft beides gehabt und beides aufgegeben; m Semeinbefig der Haffifchen Bildung und Kultur wird nuh jhon gierig herumgenagt; nun gibt faum noch ein uropa mehr, mit der Vorfilbe „Pan-" pflegen wir nur eilbegriffe zu verbinden. Den technifchen Vorjprung find ir gleichfalls im Begriff an den Orient abzutreten, 3. T. fchieht e8 bereits. Doch wir fchweifen ja von der Wiflen- aft ab. Nicht fo ganz: „im Archiv, deifen wiflenfchaft- be Biele international find, ift jelbjtverftändlich die eng- che, franzöfiiche, italienifhe und neugriediihe Sprade ben der beutjchen gleichberechtigt" (S. 3). Da3 Latein dt; auch felbitverftändlich ? li.

hin für Reformationdgefhichte. Terte u. Unterfuhungen. Hrg. on W. Friedendburg. 2. Jahrg. 1. Heft. Berlin, Schwetichte . Sohn.

Snb.: E. Schäfer, Die älteſte InſtruktionenSammlung d. fpan. uiſition. I. P. Tſchackert, Neue Unterſuchungen ũb. Auguſtana⸗ idſchtiften. O. Clemen, Die Luteriſch Strebkatz. (108 S. 8.)

alte Glaube. Eov.-luther. Bemeindeblatt f. die gebildeten Stände. rsg. v. W. Gußmann. 6. Jahrg. Rr. 10. Lpz., Wallmann.

Inh.: F. Bard, Tröſtet, tröſtet mein Volk! R. Guerrier, um nennt ſich unſere Kirche lutheriſch? Skalsky, Evange⸗ es aus u. über Deſterreich A. Petzold, Aus Briefen von rer an Meyer. B. Huhn, Bon der Weltausftellung in Louis. 3.

sem. evang.-luther. Kirdhenzeitung. Begr. von Chr. E. Lut» tdt. Mr. 51. Leipzig, Dörffling u. Frante.

Inb.: Die lepte Predigt am Jordan. L. Seidel, Was n wir tun, daf die Kandestiche Boltakirche werde? I. Zwange- erung zugiebender Qutheraner und Reformierter zugunften der iſchen ee II. Rob einmal Bereindluiheraner und neine Zutberifibe Konferenz.

ntfhrift für Gotteödienft und kirhlihe Hunn, Hrög. von $. ritta u. 3.Smend. 9. Jahrg. Nr.12. Göttingen, Bandenhoed Rupredht. Ä

nh.: Löfkhhorn, Ein Adventlied in lateinifhem Bewande :t, Die Gebhardt - Audftellung im Berliner Künftlerhbaus. auer, Weber den Einzelbecher beim jüdifchen Mahle. Spitta- 1 Burgdorf. Diehl, Aus der Gefchichte der Chori musici. Köftlin, Au ein Jubiläum. leet, Eindrüde vom (ent, Leben in London. Lafh, Das Ehriftushild in der i.

nael. Hr3g. von Herm. L. Strad. 20. Jahrg. 6. Heft. Berlin, fl. Zeirfchriftenverein. `

b.: ©. Hönnide, jüdifhe Stimmen über das „Wefen deg ims“. (Schl.) Ein konfırvatıver Rabtiner über den modernen glauben. Wider Berleumdung der Judenmiffion in Paläftina.

ifi Drient. Hrög. von Lepfiusd. V. 11. Heft. Berlin, 8 der Deutiden Drient-Wijfion.

.: Eine Miffionsreife nah Balöil. U. Harnad, Aus Dief.. Armenifhe Boltslieder, Liparit, Die Kurden rmenier. Ghriftopbilod, Die Jeboviten. Dazu: m Chrifi. Orient. Nr. 7 u. 8: Chriſtophilos, Ruſſiſche fängnıfle- Derf., Leidendgefhichte eined Etundiften.

ntenblatt. Hıda. von R. Emde u. M. Fifcher. 37. Jahrg. . - Bremen Schünemann. - PM. (en, Die mit Tränen fäen, merden mit Freuden - Baentib, Entfiehung, Art und Gefhihte des israeli. tonotbrismud. VI. Tb. Ahelid, Das religiöfe Welt- er Klafiiker. II. 8. König, Selbfiverantwortlid. Gott. Sucdeenten A Urbain, Pro patria! Beilage: Bifhyof. Bom Freidenter-Kongreß in Rom. Aus der

EEE Ee

Freiburg i. Br., Herder.

Inh.: A. Baumgartner, Jubelfeier der unbefleckten Em⸗ pfängnis. 8. Dezember. M. Meſchler, unſere liebe Frau pen guten Rat. HPeſch, die neuzeitliche Entwicklung im Handwerk. J. Braun, ein verſchwundener Kirchenſchatz des 14. Jahrh. (Schl.) E. Wasmann, das Rätſel des Lebens. Eine entwicklungsphyſio⸗ logiſche Studie. (Schl) C. A. Kneller, die Begleitfeſte der Beihnacht.

Die Studierſtube. Theologiſche und kirchliche Monatſchrift. Hrsabr. Jul. Boehmer. 2. Jabrg. 12. Heft. Stuttgart, Greiner & Pfeiffer. Inh.: Blau, Neuteſtamentl. Seelſorgerbilder. (Schl.) Kuhnke, Das Charatteriſtiſche der chriſtl. Religion. Meinhold, Die religionsgeſchichtl. Methode. Maurus, Experimentelle Pſychologie. Paſig, die ev. Kirche u. das ev. Kirchenjahr. Konferenz Ein⸗ drücke. Meyer u. Rieks, Zur Schulaufſicht der Geiſtlichen. Scheurlen, Fritz Lienharde Schriften. Parerga. Knodt, Weihnacht u. Jahresſchluß.

Die hriftlihe Welt. Hrög. v. W. Rade. 19. Jahrg. Nr. 50/51. Marburg i. $.

Snh.: (50.) Im Himmel gefchriebene Namen. Johl. Weiß, die Offenbarung did Johannes. 30) Auferftebung und Gericht. Traub, Leben-Jrfu-kiteratur. B. Weiß, Pauluspredigten (Dryan« der). (51.) Stimmen der Båter: U. Comenius. 8. Middel, Fin Notruf an die hitorifh Gebild:ten unter den Chriften. Johè. Weiß, Die Offenbarung des Johannes. 31) Das neue Jerufalem. Weibnacdhtepredigt. Schiele, Bom Werden dreier Denter, Fichte, Schelling, Schleiermacher.

Zeitſchrift für kath. Theologie. 29. Jahrg. 1. Heft. Innsbruck, Rauch.

Snb.: H. 3. Eladder, Hebr. 1,1—-5. 10. St. v. Dunin: Borkowſtki, Methodolog. Vorfragen z. urchriſtl. Berfaffungsgeich. 2. F. Schmid, Die Einführung der chriſtl. Taufe. M. Son: mann, Studien über Ulrih von Etraßburg. 1. R. v. Noftig- Riened, Zu den Brevierlektionen der Papfte Euariftod u. Aleranderl. 1 iert, Gine volt. Handfwrift der Acta Archelai. B. Duhr, noch einige Aktenſtücke A, 50/9 Streite im 16. Jahrh. De rf., Eine fommentierte Ausgabe des angebl. v. Raymann verfağten Pro- cessus juridicus contra sagas. ©. Haidadher, Rede des Ne- forıus uber Hevr. 3, 1 überliefert unter dem Namen des hi. Chry joftomue. 9. Stiglmayr, Aus der Nera der bayer. Aufllärung unter Montgelas.

Ahilofophie.

Gomperz, Heinr., Die Lebensauffassung der griech. Philo- sophen und das Ideal der inneren Freiheit. Zwölf gemein- verständl. Vorlesungen, mit Anhang zum Verständnis der Mystiker. Jena, 1904. Diederichs. (VI, 322 8. Gr.8.) #8; geb. 10.

Sn vorliegendem Werte, welches, aus zwölf an ber Uni- verfität Bern gehaltenen Vorlefungen hervorgegangen, dies jelbe Form des Vortrags beibehalten hat, wird der Verfud gemacht, die verjchiedenen Syiteme ber wifjenichaftlichen rbl der Griechen von einem gemeinfamen Grundprinzip aus zufammenzufaflen und darzuftellen. Der beicheidene Wunich des Verf., daß feine Arbeit „den Bachgenofjen und vielleicht mehr noch einem weiteren Kreife einige Anregung zu gewähren imitande fein werde", wird fich ficherlich er- füllen, weil Dag, was er bietet, da e3 durchweg auf jelb- jtändigem Forihen und Denken beruht, nicht nur recht mannigfaltige Anregung gewähren, jondern auch den mit dem Gegenjtande fhon vertrauten Lefern willlommene För- derung bringen fann. (Eë ift wohl da3 erfte Mal, daß, wie Dier gejchieht, eine philofophiihe Entwidlungsgejchichte der griehiichen Ethit von einem einheitlichen Grundprinzip aus unternommen worden ift, und zwar beftimmt der Berf. dies die ganze Entwidlung der Sittenfehre beherrichende Prinzip als das „deal der inneren Freiheit”, deren Begriff von dem Gefichtöpuntt ausgeführt wird, Daß damit „das jedweder Weltanfhauung zugrunde liegende Streben nad)

7 1905. M1. Literarifhes Bentralblatt 1. Januar. 8

Erlöfung zum Uuedrud tomme“. Die griehifhe Ethik fordert nun feiner Unfiht nah, im Gegenfag zu der (im Sinne der Religion gemeinten) „Fremderlöſung“ d. h. der Erlöſung durch eine vom Menſchen verſchiedene Weſen⸗ heit, die „Selbſterlöſung“, durch welche die innere Freiheit als Unabhängigkeit von jedem äußeren Schidjal zuſtande komme. Von dieſem Standpunkt aus ſucht er alſo die Lebensauffaſſung der griechiſchen Ethiker zu verſtehen, wie ſie durch Heraklit vorbereitet, von Sokrates begründet, durch die Sokratiker Antiſthenes, Ariſtipp und Platon fortgebildet, in der Stoa vollendet, in Epikur und Pyrrhon verfallen ſei und dann in Plotin einen bedeutſamen Nachklang gefunden habe. Die Stoa, in welcher allerdings, nach dem Vorgang der Kyniker, die Idee der ſittlichen Freiheit aufs Maß— gebendſte hervortritt, iſt ihm der Höhepunkt der griechiſchen Ethik. Er weiſt dieſer letzteren überhaupt aber in der Geiſteskultur der Hellenen die Stellung an, daß ihr Frei—⸗ heitsideal zwiſchen dem ariſtokratiſchen Ideal des Maßes als des harmoniſchen Lebens und dem Volksideal der Heilig— keit ein Mittleres bilde, das jenen beiden mehr populären Ideen gegenüber als ein Reues und Fremdes auftrete. Den Verlauf derſelben aber teilt er in vier Perioden, deren erſte bis zum Ausgang des fünften Jahrhunderts v. Chr. reicht, die Periode der Vorläufer, in welcher einerſeits mehr oder weniger aphoriſtiſche Bemerkungen, andererſeits Anſätze zu einer allgemeinen ethiſch-politiſchen Spekulation auftreten, jenes bei Pythagoras, Empedokles, Heraklit, Anaxagoras, Demokrit; dieſes bei den ſog. Sophiſten. Die zweite Peri- ode, die Blütezeit ethiſchen Denkens, umfaßt das Wirken des Sokrates und die ſieben Syſteme der Sokratiker, welche ſich in zwei Gruppen, dem Unterſchied der Generationen ent— ſprechend, bringen laſſen; ſie reicht bis etwa 300 v. Chr. Die dritte Periode, die bis in das erſte Jahrhundert v. Chr. gerechnet werden kann, iſt die der Epigonen; die vierte bedeutet den endgültigen Sieg der mit Plato einge» tretenen orphilch-pythagoreifchen Unterftrömung. Diefe fegt ſich bis zum Abſchluß des ganzen nicht⸗-chriſtlichen Denkens und bis zur Auflöſung der letzten Philoſophenſchule, der Akademie von Athen im Jahre b29 fort. Ueberall hat ©. mit Geſchick und Scharfſinn die Fäden verfolgt, welche die Syſteme ihrer logiſchen wie zeitlichen Abfolge nach mitein— ander verknüpfen, wobei er die Hauptpunkte treffend hervor⸗ hebt; ebenſo verſteht er es, von der wiſſenſchaftlichen Per⸗ ſönlichkeit der Gründer aus deren Schuldoktrin zu entwickeln, aber auf die Einwirkungen, welche das politiſche und kul—⸗ turelle Leben der Nation von außen her auf die Ausge— ſtaltung der ethiſchen Lehren geübt hat, geht er faſt gar nicht ein. Von den drei großen Meiſtern der zweiten Pe— riode hat er dem eigentlichen Vater der griechiſchen Ethik Sokrates eine eingehende Studie gewidmet, welche eine wohlgelungene Charakteriſtik des Mannes und ſeiner ſo überaus fruchtbaren Tätigkeit behufs der Erregung philos ſophiſchen Denkens bei ſeinen Schülern und der Unterſuchung der verſchiedenſten beſonders ſittlicher Begriffe enthält; auch die Behandlung der Ethik Platons wird als die Syntheſe ſokratiſcher Grundlagen mit der orphiſch-pythagoreiſchen Ae, bensanſicht einerſeits, andrerſeits dem perſönlichen Ariſtokra— tismus des Philoſophen treffend gekennzeichnet; allein das letzte Glied der gewaltigen Trias, Ariſtoteles, kommt bei unſerm Verf. ſehr zu kurz, indem er ihn, welcher doch die Sittenlehre des griechiſchen Intellektualismus auf ihre Höhe gebracht hat (man denke nur an das letzte Buch der Ni- komachiſchen Ethik und ganz beſonders an deſſen ſiebentes Kapitel, welches, möge die Ausführung auch lückenhaft und einſeitig ſein, dem Beſten, was die philoſophiſche Literatur Griechenlands uns bewahrt hat, an die Seite

geſetzt werden muß), Platos größten Schüler, die „Ver— nunft“ dieſer Schule, wie ihn Plato ſelbſt genannt haben ſoll, mit einigen durchaus anfechtbaren Bemerkungen in der letzten Vorleſung „über ben Verfall uſw. ber Ethik“ ab fertigt. Die Kyniker dagegen und die Kyrenaiker, zumal die letzteren, in welchen beiden Schulen der Gedanke bei Freiheitsſtrebens allerdings machtvoll hervortritt, werden in feinſinniger Weiſe geſchildert, wie auch die wohldurchdachte Darſtellung der ethiſchen Seite des Stoicismus, der ja“ nicht minder den Freiheits- und wenn man ben Ausdruck gelten laſſen will, den bei den Griechen freilich wenig ge hörten Erlöſungsgedanken op bie Spitze ſtellt, gleichfallz näherer Beachtung und eingehendem Studium empfohlen zu werden verdient, obwohl man dem Urteil des Verf., daß die ſtoiſche Ethik den Höhepunkt der geſamten wiſſenſchaftlichen Sittenlehre der Griechen ausmache, ſchon um deswillen nicht beiſtimmen kann, weil die theoretiſch-metaphyſiſche Grundlage derſelben, der pantheiſtiſche Fatalismus, ſtreng genommen jedwede Sittlichkeit ausſchließt, ſo daß man ſagen muß, die Stoiker ſeien im Widerſpruch mit ihrem eigenen Grund— prinzip zur Aufſtellung ſittlicher Gedanken gekommen. Nach— dem dann dem Epikureismus und der Skepfis kürzere Dar— ſtellungen, dem Neuplatonismus eine eingehendere Beſpre— chung ſeiner Geneſis wie ſeines Inhalts gewidmet worden iſt, in welcher G. mit Recht den trotz der Einwirkung ori⸗ entaliſcher Elemente griechiſchen Charakter der Philoſophie Plotins betont, glaubt er noch einmal fein Ideal ber m neren Freiheit als das im ganzen Verlauf der ethiſchen Wiſſenſchaft der Griechen „entſchieden und unerſchütterlich“ herrſchend gebliebene Prinzip hervorheben zu müſſen. Dem gegenüber ſei aber doch daran erinnert, daß die „innere Freiheit“, deren Begriff allerdings ſchon bei Sokrates ganz deutlich hervortritt, eine bloße Negation iſt, die einer poſi⸗ tiven Ergänzung bedarf. Dasfelbe gilt von der „Erlöfung", ein in der guten Beit bei den Hellenen, wenn man von den Myfterien und fonftigen Geheimfulten abfieht, ohnehin nur fparfam gebrauchter Begriff. In der wiflenfchaftlichen Ethil Hebt al3 pofitiver WUusdrud für das zu gemwinnende Lebens ziel faft immer und überall die Cubdämonie- feft. Aud da? fann niht zugeftanden werden, daß die GSittlichkeitslehrer, welche feit Sokrates die Eudämonie auf das rechte Handeln begründeten („gut und glüdlich zufammen wird der Menid, wie es in ber fchönen Elegie des Ariftoteles an Eudemus in bezug auf Sotrates heißt), fi dabei auf die „Selbit- erlöfung” befchränkt hätten. Vielmehr haben fie, indem fie mit der Religion den Dualismus von göttliher Mat und menfchlihem Können, beziehungsmeije Nichtlönnen, feithielten, das Moment der „Fremderlöfung” keineswegs ausgeichloffen, welches ©. auszuhalten fuht. Hat nicht Sokrates im Sterben dem A3klepios ein Hahnenopfer zu bringen aufge tragen, weil ber Gott ihn von dem Leidwejen ber irdilchen Sriftenz geheilt habe; hat nicht Plato gelehrt, daß ber große Dämon der Liebe, alfo eine überirdifche Potenz und nicht da3 Naturell des Menichen allein, ihn durch die Dio fektit zu feiner himmlischen Heimat zurüdzuführen habe, und hat nicht Ariftoteles, nad) Dante der Meifter der Wifjenden, ohne alle mythifche Hülle das allgemeine Lebensprinzip der Welt, den göttlichen Nous, zu dem von fremd her (Ivoader) über den Menfchen kommenden Urfprung der wiffenfhaft fihen und fittlichen Erhebung gemaht? Solche Unerten- nung des Dualismus von Gott und Welt bei ben Griechen, die fih auch von andern Ethifern anführen ließen, verträgt Héi nicht mit dem von ©. vertretenen Sag, dap bei den Sriechen die „Selbfterlöfung“ überall der fittlichen Freiheit den Weg bahne. Bei aller fonftigen Anerkennung des Ber ' dienftlihen in der Leiftung des Verf. mug alfo dagegen

9 1905. M 1. Literarifhes Zentralblatt 1. Januar. 10

Proteft eingelegt werden. Wenn endlich berjelbe im Un. hang „zum Werftändnis der Mioftiker”, welcher eine Reihe artiger Bemerkungen über diefe Dentweije beibringt, bie, jeldbe gegen die „bebingungslofe Geringihäßung us Schwärmerei” in Shug nimmt, fo darf man dabei dod nt vergeffen, wohin diefe Bhaethons-Krantheit, wenn fie wie bei den Indern geſchehen ift, fonfequent durchgeführt wird, fHlieblih führt, nämlich in den heillofen Ke des bubbhiftifchen Nirvana. C.

Nietzsche, Friedrich, Nachgelassene Werke. Aus den Jahren 1872/73 und 1875/76. Zweite, Ke neu gestaltete Ausgabe. 1. und 2. Tausend. Leipzig, 1 G Naumann. (VI, 528 S. Gr. 8.) #9; geb. #1

Nietzsches Werke. Zweite Band X. Band der zweiten Abteilung.)

Der geichidte Hrögbr. des neunten Bandes Ernft Holzer bat im Berein mit Auguft Horneffer auch diefen Band der nadgelafjenen Schriften Niepiches in ganz neuer Geftalt herausgegeben. Er enthält Schriften, Entwürfe, Skizzen, bingeworfene Gedanlen aus den Jahren 1872—76 und bringt außerordentlich wertvolles Material zur Kenntnis Niegfches. Um gleich den Gefamteindrud ded Ganzen vor- wegzunehmen, man fieht, daß Niebiche fich fpäter gar nicht fo wefentlich verändert hat, er ift nur einfeitiger, fchroffer, ärmer geworden. Je beffer wir den jungen Niegiche fennen lernen, defto mehr ftaunen wir über die Kraft und Gewandtheit, die edle Haltung diejes unerjchrodenen Steigerd, der ung emporziebt zu immer neuen Aug- und Umbliden, deffen ang- voller Sprache wir entzüdt laufchen, auch wo fie und vom Wirt- lien abführt und uns bloße Luftichlöffer vorgaufelt, und dejto mehr erfüllt ung tiefer Schmerz, wenn wir fehen, wie diejer Steiger immer engbrünftiger und furzatmiger wird, wie er zulegt nicht mehr fpridht, fondern nur abgerifjene Säge beifer Heraugichreit.. Diefe Empfindungen werden immer wieder rege bei der Leltüre eine3 von den zufammenhängenden Auflägen aus Niegfches Jugendzeit, wie der Dier mitgeteilte: „Die Philofophie im tragifchen Zeitalter der Griechen”, der leider audy Fragment geblieben ift. &3 ift ja Nießiche immer fhwer geworden, zujammenhängend zu fchreiben; feine Ge- danken, oft genug blitartige Einfälle, beherrichten ihn mehr, als er fie. Aber wo e3 ihm gelang, die ungejtümen Scharen zu Disciplinieren und in geordneten Reihen aufmarfjchieren zu lafjen, wie in der erwähnten Abhandlung, da bat die Darftelung einen fo großen Bug, dab wir e3 nicht genug bedauern können, daß ihm dies fo felten und fpäter nie mehr gelang. Wie viel Niegfche die vorjokratiihen PHilo- jophen beichäftigt haben, und wie fih gerade bei beer Beihäftigung die Keime entwidelten, au8 denen die Saat feiner fpäteren Lehren auffproßte, zeigen die ©. 93—237 mitgeteilten Gedanken und Entwürfe. Die folgenden Frags mente bilden Ergänzungen zu den „Unzeitgemäßen“. Bon befonderer Bedeutung find Hier erftend Die ziemlich umfang- reichen Gedanken und. Entwürfe zu der Beratung: „Wir Philologen” und zweitens die Gedanken über Richard Wagner in Bayreuth. E83 werden hier zum erjtenmal vollitändig die Sedanten Niegihes aus dem Januar 1874, als Dog Bayreuther Unternehmen zu fcheitern fchien, mitgeteilt. Nießfche begann mit der größten Kälte der Betrachtung zu unterjuchen, weshalb das Unternehmen mißlungen fei. Der Hrögbr. bemerft dazu: „Ein Monolog, der deutlich) zeigt, weld fchwere Bedenken ihm Wagners Kunft einflößte, und welche Opfer diefe Freundfhaft von feiner intellektuellen Rechenichaft beifchte. Noch ift Wagner niht überwunden, aber alle Ge- danten contra Wagner find dënn da.” —À.

(Zweiter

Geſchichte.

Bartels, Ed., Die Varusschlacht m. deren EES Hamburg, 1904. Mauke Söhne. (67 S. 8.) 4 1, 80.

Der Berf. jucht die alte Frage befonbera vom Stand» punkt feiner genauen Lolallenntnis aus zu löfen. Varus’ Sommerlager befand fih nad ihm nahe an der porta West- falica, fein Rüdmarjch geſchah durchs Wiehegebirge bis Bares nau, wo er mit Sondermühlen, Mommien u. a. bie Ratas ftrophe annimmt. Doch nimmt er diefe Dertlichkeit weniger wegen der dort gemachten Yunde augufteifher Münzen in Anfpruh (S. 54), jondern die Entiheidung ergibt fi ihm aus dem Charakter der dortigen fumpfreichen Gegend, aus „den paludes als fiheren Merkmalen, die von den Schrift- ftellern bezeugt find”. Dieſes iſt aber die ſchwache Seite ſeiner Deduktion. Bekanntlich haben wir zwei Schlacht⸗ berichte, den rhetoriſch aufgeputzten des Florus und Velleius einerſeits, den ſachlich nüchternen des Caſſius Dio anderer⸗ ſeits. Nun betont der Verf. (S. 21) mit Recht, daß Dios Bericht den Vorzug verdient. Wo ie nun don Sümpfen die Rede? Nur bei jenen anderen rhetorischen Hiftorikern, für die die Begriffe Germanien und Sümpfe eben zufammen gehören (vgl. Tac. Germ. c. 5): bei Dio aber (dieg wird viel zu wenig berüdjichtigt) ift in der Erzählung des Zuges und ber Glodt nur von Bergen und Wäldern, einmal auh vom Brüdenfchlagen, aber nirgends von GSümpfen die Rede! Weiter mup Ref. betonen, daß man nicht einen Rüdmarih nah Castra Vetera, fondern nah dem feit 5 n. Chr. beftehenden dauernden rechtörheinifchen Winter: lager (Bell. 2, 105; Dio 56, 18, 2) (wohl Haltern?) ing Auge faffen und danad) den Bug des Barus anjegen müßte. Hat der Verf. alfo auch fein Hauptziel wohl nicht erreicht, jo zeugt feine Schrift bod von umfichtiger, erniter Arbeit und im übrigen methodifcher Borjcjung und ift nigtig und erfreulich zu leſen. . R.

Weir, T. H., The Shaikhs of Morocce in the XVIth century. With prefaco by J. Robertson. Edinburg, 1904. Morton. (XLV1I, 316 S. 8. mit Karte.)

Nach dem biographiſchen Werte (Dauhat an nåšir) deg Ibn “Aslar und einigen anderen marokkaniſchen Chroniken erzählt der Verf. die Geſchichte des Landes im 10. (16. n. Chr.) Jahrh., den Übergang der Herrſchaft von den Wat—⸗ taſiden zu ben Scerifen und deren Geihichte bis zu der befannten Schladht von Ulcazar oder Madjäzin, wo außer zwei einheimifchen Prätendenten au König Sebaftian von Bortugal und unfer Gewährsmann Jon “Astar am 4. Aug. 1578 fielen. Das Wert will keine Hiftorifche Unterfugung fein, jondern ein Gemälde maroffanijcher lislamiſcher, orien⸗ taliſcher) Denkweiſe und Praxis. Die naive Sprache und ſchmuckloſe Darſtellung des Ibn Askar wird moglichſt bei⸗ behalten; durch die zahlreichen Skoticismen wird das eigen⸗ tümliche Kolorit noch verſtärkt. Ton und Inhalt erinnern nicht ſelten an die ‚„Nouvelles asiatiques‘ des Grafen Go⸗ bineau, obwohl dort wahre Begebenheiten, bier freie Er- findung eines tiefen Renners des orientalifchen Beiftes vor- liegt. Die Einleitung jpricht über Koran, Tradition und das Wefen der islamischen up. der unfer EChronift und feine Helden ergeben waren. Werner hat James NRobertfon, der Gladgower Orientalift, dag Buh mit einigen febr per, ftändigen Worten eingeführt. Cine Rartenftizze Hilft uns bie Creigniffe verfolgen. Der Stein der maroflanifchen Gefhide ift neuerdings fo ftar? ing Rolen getommen, daß an ein Uufhalten nicht mehr zu denken ift, wenn auch ber enticheidende Fal noh lange ausftehen tann. Unter biefen Umftänden wird mander, dem das ne ZER unb

11 1905. M 1. Literariſches Zentralblatt. 1. Januar. 12

die ſcherifiſche Majeſtät im übrigen gleichgültig ſind, gern zu dieſem Werke greifen, um aus der Vergangenheit die Gegenwart verſtehen zu lernen. K. Vollers,

Hehr, Guſtav, Ländliche Berhåltniffe im Herzogtum Brann: ſchweig⸗ «Wolfenbüttel im 16. Jahrhundert. Nah Akten des berzoglich lüneburgifchen Landeshuuptarhivd zu Wolfenbüttel und des Stadtarchive zu Braunfchmweig. amt und Leipzig, 1903. Hahn. (X, 119 ©. Gr. 8) #4 2, 50

Quellen u. Darftellungen zur —T SES Hiftor. Bercin für Itederradfen. BD d.

Obwohl durh Wittih8 Wert sch Srundherrichaft in Nordweitdeutichland“ die ländliche Verfafjung Niederjachjens in ihren wejentlichen Zügen aufgeklärt worden ift, jo bleibt neben ihm doh noh Raum für Iohnende monographiiche Unterfuchungen. Eine folcye bietet der Berf. in der vorlie genden Schrift, indem er auf Grund gedrudter Quellen, namentlich aber nach Alten des Wolfenbütteler Yandeshaupt- archiv und des Braunjchweiger Stadtardhivg eine eingehende Daritelung der Berhältniffe im Herzogtum Braunfchweig- Wolfenbüttel im 16. Jahrh. liefert. Sowohl über die joziale Drganijation und die Wirtfchaft der einzelnen Klafjen wie über die landesherrliche Politik erfahren wir viel intereffantes. Lehrreich ift 3. B. die Schilderung ded Gebraudg, den die Landesregierung von den Organen der ländlichen Gemeinden für ihre ftaatfichen Bwede maht. Ganz befondere Aufmerk- famkeit verdient die Darlegung des Verhalten der Stadt Braunfchweig gegenüber den landesherrlichen Reformbeitre- bungen (vgl. namentlid S. 41 und 108): die fürftliche PVolitit gegenüber den Städten des 16. Jahrh.3 erfährt hier eine einleuchtende Rechtfertigung. Um ein paar tleine Defi» berien zu äußern, fo bemerkt Dehr (S. 85), daß „Die Gemeinde die Dorfhirten anftellte”. E83 wäre jedoch von Jntereffe, zu erfahren, ob die DBorfhirten von der Gemeinde unmittelbar oder nur vom Bauermeifter angenommen worden find (vgl. Wittih ©. 129). S. 89 meint Dehr, dab fih Hinfichtlich bes Amtes der Bauermeifter Rüdichlüffe aus den jpäteren Quellen gewinnen ließen. Hier muß man doh vorfichtig fein. Denn wenn 3. B. die Beitimmung begegnet, daß von zwei Bauermeiftern der eine Adermann, der andere Flöter fein fole, fo kann eine foldhe doch erft in einer Beit ents ftanden fein, in der die Köter in einen wahrnehmbaren Gegeniag zu den Bauern getreten waren; fie wird alfo nicht fonderlich alt fein. Allerdings fann fie, nad) den auf ©. 51 gegebenen Mitteilungen über das Unmwadfen der Klafje der Köter, au dem 16. Jahrhundert wohl ftammen. Der Berf. der Haffiichen „Hannoverichen Berfafjungs- und Verwaltungs. aeichichte” Heißt nicht Meyer, jondern Meier (vgl. zu diejem Wert übrigens Gött. Gel. Anz. 1901, ©. 364 fg.). Nach Dehrs Schrift ift in derjelben Sammlung eine teilmweije dies felbe Landichaft betreffende Arbeit von Joh. Merkel über „den Kampf des Fremdrechtes mit dem einheimischen Rechte in Braunfchweig-Lüneburg” erichienen, auf die ih an anderm Orte zurüdfomme. Da ich Hier die Einführung des fremden Rechtes zu erwähnen Habe, fo trage ich zu meiner in Jahrg. 1904, Nr. 7, Sp. 221 d. Bl. veröffentlichten Anzeige des Urkundenbuchs von Hameln nad), daß Sedel in feinen „Bei trägen zur Gejchichte beider Nechte im Mittelalter" (Tübingen 1898) beachtendwerte Ergänzungen zu demfelben bringt.

G. v. Below.

Meyer, Dr. Chr., Chroni? der Stadt Weigenburg 1. B. Münden, 1904. Eilbfiverlag. (IV, 686. Gr RB Diefe Heine Schrift tann als Beitrag zur deutſchen Städtegeſchichte angeſehen werden. In dem Stadt⸗ archiv der alten einſtigen römiſchen Militärkolonie Weißenburg am limes rhaetieus, welche in einer Urkunde Ludwigs des

Hrsgb. v.

Deutſchen vom 14. Juni 867 als Konigshof bezeichnet wird, ſpäter Reichsdomäne ward und nach mancherlei wechſel⸗ vollen Schickſalen im Laufe der Jahrhunderte ſeine Reichs⸗ freiheit durch Anfall an Kurbayern (1801) verlor, hat ſich die Chronik des Lokalhiſtorikers Johann Alexander Doederlein (geb. 1675 + 1745) in einer gleichzeitigen Ubfchrift erhalten, welche die Jahre 790—1700 umfaßt. Weil die Edition in Neihhard3 „Beiträgen zur Hiftorie des Frankenlandes“ II. Zeit (Erlangen 1762) äußerft fehlerhaft und die Ausgabe heute fehr felten geworden ift, bringt der Hrögbr. dieje ftadt- geichichtlich wertvolle Chronik nebit dem kurzen ſummariſchen Bericht von der Belagerung der Stadt (1647) vollitändig und fritid zum Ubdrud. WBeigefügt find noch 4 urkundliche Beilagen und der Tert der in Weißenburg eingeführten Firhenordnung von 1528 (eine Folge ber 1524 in Weißen burg eingetretenen Kirchenreformation).

Aus den Papieren der Familie von Schleinig. Mit einer Bor SE von Fedor v. Zobeltig. Berlin, 1906. Zrewenpt, GIL An e 8.) .4 8; geb. Æ 10.

E3 kann gewiß nur mit Freuden begrüßt werben, wenn Yamilien, deren Mitglieder an Staatdaltionen beteiligt ge melen find, ihre Arhive öffnen und deren Altenftüde zu allgemeiner Kenntnis bringen. Freilich wird: der rechte de winn nur dann erzielt werden können, wenn die Publifation in völlig fachverftändige Hände gelegt wird. Gerade an diefem Erfordernis fcheint e8 ung aber bei dem vorliegen. den Buche etwas zu mangeln. Der ungenannte Berf. ift gewiß ein gebilbeter Mann, aber er ift iher kein Hiftorifer bon Fach, denn ein folder würde fein Material anders ge ftaltet und fein Subjeft mehr im Hintergrunde gehalten haben. Das Budh zerfällt in zwei Teile. Der erfte if Nühle von Lilienfiern gewidmet, defjen Stieftochter einen Scleinig geheiratet hat, und deffen Papiere fo an diefe Familie gelangt find. Mühle wor en ganz befonderer Typus eines preußischen Offiziers, der in mannigfadhen Beziehungen an Moltke erinnert, und. der noch immer nit den Bio graphen gefunden hat, den er oië Bildner der preußiichen Armee verdient. Er war von feltener Bieljeitigfeit, Philos foph, Wegyptologe, PhHyliker, Mathematiter, Militär, und jtand mit allen geiftigen Koryphäen feiner Beit in Beziehung. So konnte denn der Berf. eine ganze Unzahl interefjanter Briefe mitteilen, auf die wir um fo mehr hinmweijen möchten, al3 fie von den entiprehenden Fahmännern in diefem: Buche faum gejucht werden dürften. Man findet bier, um von anderen zu fchweigen, Briefe von Heinrich von Kleift, Goethe, Müffling, Karl Uuguft von Weimar, Scharnhorst, Blücher, Gneifenau, 4.W. von Schlegel, Shelling, Radowig, Bettina von Arnim. Der zweite Teil führt